Die Barrierefreiheitserklärung beschreibt den aktuellen Stand der digitalen Barrierefreiheit eines Online-Dienstes. Erstellen Sie sie individuell für jeden Online-Dienst und verweisen Sie nicht ausschließlich auf die verwendete Plattform.
Die Barrierefreiheitserklärung basiert auf den Ergebnissen der Barrierefreiheitsprüfung. Übernehmen Sie die technische Testdokumentation aber nicht 1:1, sondern bereiten Sie die Ergebnisse verständlich und nutzerorientiert auf.
Nehmen Sie zusätzlich Verweise auf die Barrierefreiheitserklärungen der eingesetzten Plattform und externer Dienste auf, damit die Barrierefreiheit der kompletten Anwendung vollständig abgebildet wird.
Die folgenden Hinweise und Beispiele dienen als Hilfestellung bei der Erstellung von Barrierefreiheitserklärungen für Online-Dienste. Ergänzend können bestehende Vorlagen und Anleitungen, beispielsweise des jeweiligen Bundeslandes, herangezogen werden. Die vorliegende Anleitung ergänzt diese insbesondere um Hinweise für Online-Dienste, die auf einer Plattform bereitgestellt werden. Die Formulierungen können dabei unterschiedlich ausfallen. Wichtig ist, dass alle relevanten Inhalte vollständig und nachvollziehbar enthalten sind.
Hinweis: Es empfiehlt sich, die Erklärung zur Barrierefreiheit zusätzlich durch eine juristische Person oder die zuständige Rechtsstelle prüfen zu lassen. Dies gilt insbesondere bei der erstmaligen Erstellung sowie vor der Veröffentlichung oder bei größeren Änderungen des Online-Dienstes.
Abschnitte
Eine Erklärung zur Barrierefreiheit besteht aus folgenden Abschnitten. Im Folgenden werden diese Abschnitte mit Hinweisen, Tipps und Beispielen näher erläutert.
- Einleitung
- Stand der Vereinbarkeit mit den Anforderungen
- Nicht barrierefreie Inhalte
- Barrierefreiheit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus
- Erstellung der Erklärung
- Rückmeldung und Kontaktangaben
- Durchsetzungsverfahren
Einleitung
Die Einleitung dient der Orientierung. Beschreiben Sie kurz, für welchen Online-Dienst die Erklärung gilt und auf welcher Plattform dieser bereitgestellt wird. Erläutern Sie den Zweck der Barrierefreiheitserklärung und den technischen Kontext. Achten Sie darauf, keine Detailangaben zu machen, da die Einleitung lediglich den Rahmen setzt.
Beispiel:
Diese Erklärung zur Barrierefreiheit gilt für den Online-Dienst „Beispielantrag“. Sie beschreibt den aktuellen Stand der digitalen Barrierefreiheit dieses Dienstes und gibt einen Überblick über bestehende Barrieren und Einschränkungen. Der Online-Dienst wird auf einer zentralen technischen Plattform bereitgestellt.
Stand der Vereinbarkeit mit den Anforderungen
Geben Sie hier an, inwiefern der Online-Dienst die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt. Verwenden Sie eine klare Bewertung und beschreiben Sie nur das Ergebnis, nicht die Prüfung im Detail. Die Bewertung muss sich auf den konkreten Online-Dienst beziehen und darf nicht pauschal aus der Barrierefreiheitserklärung der Plattform übernommen werden. Ergänzen Sie bei Bedarf Informationen zur Grundlage der Bewertung.
Beispiele:
- Der Online-Dienst ist vollständig mit den Anforderungen an die Barrierefreiheit vereinbar.
- Der Online-Dienst ist teilweise mit den Anforderungen an die Barrierefreiheit vereinbar.
- Der Online-Dienst ist nicht mit den Anforderungen an die Barrierefreiheit vereinbar.
Die Bewertung basiert auf den Anforderungen der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) auf Konformitätsstufe AA sowie der EN 301 549, Version 3.2.1. Für PDF-Dokumente gilt zusätzlich der Standard PDF/UA-1.
Nicht barrierefreie Inhalte
Beschreiben Sie hier alle bekannten nicht barrierefreien Inhalte des Online-Dienstes. Benennen Sie die betroffenen Inhalte konkret und verständlich und erläutern Sie die daraus resultierenden Barrieren aus Sicht der Nutzenden. Verzichten Sie auf technische Detailbeschreibungen und fokussieren Sie sich auf die tatsächlichen Nutzungseinschränkungen.
Stellen Sie dabei jede Barriere klar und konkret als Stichpunkt dar und beschreiben Sie die Auswirkung auf die Nutzung. Ähnliche oder gleichartige Barrieren können zusammengefasst werden, sofern dadurch keine wesentlichen Informationen verloren gehen.
Optional können ergänzend folgende Angaben gemacht werden:
- Ursache der Barrieren, sofern dies zum Verständnis beiträgt (z. B. technische Einschränkungen oder Altbestände)
- Geplante Behebung einschließlich Zeitpunkt, sofern vorhanden; andernfalls den vorgesehenen Umgang (z. B. „im Rahmen der nächsten Überarbeitung“)
- Erläuterungen, weshalb Inhalte oder Funktionen derzeit nicht vollständig barrierefrei bereitgestellt werden können
- Hinweise auf alternative Zugangswege, beispielsweise eine barrierefreie Bereitstellung auf Anfrage oder eine alternative Kontaktmöglichkeit
Beispiele:
- Formularfelder sind teilweise nicht vollständig für Screenreader beschrieben.
- Die Tastaturbedienung ist in einzelnen Bereichen eingeschränkt.
- Einzelne bereitgestellte PDF-Dokumente sind derzeit nicht vollständig barrierefrei.
Sofern der Online-Dienst auf einer Plattform basiert oder externe Dienste bzw. Komponenten einbindet, berücksichtigen Sie diese in der Darstellung der Barrieren. Referenzieren Sie in diesem Fall die jeweiligen Barrierefreiheitserklärungen, anstatt deren Inhalte vollständig zu wiederholen.
Ergänzen Sie zusätzlich einen Hinweis, dass nicht alle in den referenzierten Erklärungen aufgeführten Barrieren automatisch auch den konkreten Online-Dienst betreffen.
Beispiele:
- Dieser Online-Dienst basiert auf der Plattform XY. Informationen zu bekannten Einschränkungen der Plattform finden Sie in der Barrierefreiheitserklärung der Plattform.
- Nicht alle in der Barrierefreiheitserklärung der Plattform aufgeführten Barrieren betreffen diesen Online-Dienst. Relevant sind ausschließlich Barrieren in den tatsächlich genutzten Funktionen und Komponenten.
Barrierefreiheit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus
Beschreiben Sie hier Maßnahmen oder Funktionen, die über die gesetzlichen Anforderungen an die Barrierefreiheit hinausgehen. Führen Sie konkrete Beispiele an und erläutern Sie kurz deren Nutzen für die Nutzenden.
Beispiele:
- Der Online-Dienst bietet eine Funktion zur Anpassung der Schriftgröße.
- Es steht ein zusätzlicher Kontrastmodus für eine bessere Lesbarkeit zur Verfügung.
- Inhalte werden zusätzlich in Leichter Sprache bereitgestellt.
- Wichtige Funktionen können optional über Tastenkombinationen gesteuert werden.
- Fehlermeldungen werden zusätzlich in verständlicher Sprache ausgegeben.
Erstellung der Erklärung
Beschreiben Sie hier, wann und auf welcher Grundlage die Erklärung zur Barrierefreiheit erstellt wurde. Geben Sie an, ob die Bewertung auf einer Selbstbewertung, einer internen Prüfung oder einer externen Prüfung basiert.
Nennen Sie den Zeitpunkt der Erstellung sowie den Stand der zugrunde liegenden Prüfung oder Bewertung. Verzichten Sie auf detaillierte Prüfergebnisse und beschränken Sie sich auf die methodische Einordnung.
Beispiele:
- Die Erklärung wurde am [Datum] auf Grundlage einer internen Selbstbewertung erstellt.
- Die Erklärung wurde am [Datum] erstellt und zuletzt am [Datum] auf Basis einer externen Barrierefreiheitsprüfung geprüft und aktualisiert.
Rückmeldung und Kontaktangaben
Stellen Sie sicher, dass die Kontaktinformationen aktuell sind und direkt zur verantwortlichen Stelle des Online-Dienstes führen.
Falls nicht eindeutig erkennbar ist, welche Stelle verantwortlich ist, ermitteln Sie die Kontaktstelle organisatorisch. Prüfen Sie dazu, welche Organisationseinheit den Online-Dienst fachlich verantwortet. Der Kontakt darf nicht aus der technischen Umsetzung oder dem Plattformbetrieb abgeleitet werden, sondern muss der Stelle entsprechen, die den Online-Dienst gegenüber Nutzenden verantwortet.
Beispiel:
Wenn Ihnen Mängel zur Barrierefreiheit auffallen oder wenn Sie Informationen zu nicht barrierefreien Inhalten benötigen, können Sie sich an uns wenden:
E-Mail: [E-Mail-Adresse] (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
Telefon: [Telefonnummer]
Durchsetzungsverfahren
Ergänzen Sie hier die Informationen zur zuständigen Durchsetzungs- oder Schlichtungsstelle gemäß den geltenden Vorgaben. Geben Sie an, welche Möglichkeiten Nutzende haben, wenn Rückmeldungen zur Barrierefreiheit nicht zufriedenstellend beantwortet werden, und nennen Sie die entsprechenden Kontakt- oder Informationswege.
Falls unklar ist, welche Schlichtungsstelle zuständig ist, ermitteln Sie diese über die verantwortliche Behörde des Online-Dienstes. Prüfen Sie deren Sitz im jeweiligen Bundesland und nutzen Sie die dort zuständige Schlichtungsstelle nach Landesrecht. Ist keine Zuordnung möglich, gilt die Schlichtungsstelle auf Bundesebene nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG).
Beispiel:
Wenn Sie innerhalb einer angemessenen Frist keine zufriedenstellende Rückmeldung auf Ihre Hinweise oder Anfragen zur Barrierefreiheit erhalten haben, können Sie sich an die zuständige Durchsetzungsstelle wenden.
E-Mail: schlichtungsstelle@beispiel.de
Telefon: 01234 567890
Web: https://www.beispiel-schlichtungsstelle.de